Stefanie Nowatzky

Für die Stadt zu laut?

Lärmreport befeuert Debatte um Nachtflugverbot

Von Stefanie Nowatzky - 28.03.2018

Fuhlsbüttel Das lauteste Flughafenjahr seit 15 Jahren - damit überschreibt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) seinen aktuellen Fluglärmreport für Hamburg.
Streitpunkt Lärm: Flugzeuge direkt über den Wohnhäusern in Langenhorn
Obwohl laut Flughafen die Zahl der Flüge in den vergangenen Jahren bei steigenden Passagierzahlen um 0,5 Prozent abnahm, hat sich laut BUND der "Lärmteppich" auf 14,7 Quadratkilometer ausgeweitet. Das entspricht einer Fläche von mehr als 2000 Fußballfeldern. Damit ist im vierten Jahr hintereinander die von Lärm betroffene Fläche angewachsen. Deshalb fordert der Sprecher des Arbeitskreises "Luftverkehr" im BUND, Martin Mosel: "Der Betrieb eines innerstädtischen Flughafens kann so nicht weitergehen." Allerdings - so Flughafensprecherin Katja Bromm, ist die Ausbreitung weiter unter der zulässigen Obergrenze von 20,39 Quadratkilometer.

Insbesondere die bestehende Nachflugregelung ist dem BUND ein Dorn im Auge. Denn 2017 gab es in den Sommermonaten offenbar nur 3 Nächte, an denen es trotz Verbot keine Flüge nach 23 Uhr gab. Grund: Die Verspätungsregelung, mit der gegen Gebühr spätere Landungen in Ausnahmefällen möglich sind. Vor allem sogenannte Billigairlines seien dafür verantwortlich. Die Umweltbehörde hat inzwischen reagiert: Umweltminister Jens Kerstan (Grüne) verhängte eine Rekordstrafe von 20.000 Euro gegen die Billigairline Easyjet für einen Flug ohne Sondergenehmigung.

Bereits seit 2016 gilt der 16-Punkte-Plan, mit dem der Senat den die Hamburger vor Fluglärm schützen will, gleichzeitig aber den innerstädtischen Flughafen erhalten will auch als großen Arbeitgeber, wie auch Wirtschaftssenator Frank Horch immer wieder betont.
Flughafenchef Michael Eggenschwiler setzt auf die Verspätungsregelung im Nachtflugverkehr.
Neben höheren Strafen für die Flüge nach 23 Uhr sieht der Plan auch nach Möglichkeit leisere Starts und Landungen vor und räumt dem Fluglärmschutzbeauftragten der Stadt mehr Rechte ein. Und laut Flughafen investieren auch die günstigen Fluggesellschaften in neue und damit leisere Triebwerke. Ihre Flugzeuge seien im Schnitt nur zwischen fünf und sechs Jahre alt. Nicht genug, findet Dennis Thering (CDU). "Die neuen Rekordzahlen zeigen, dass es mit netten Worten nicht mehr getan ist."

Hamburg Airport dagegen hält an der Verspätungsregelung fest und begründet die vielen Verspätungen 2017 auch mit Extremwetterlagen. "Im Juli sind etwa ein Viertel aller Flüge zwischen 23 und 24 Uhr auf Unwetter oder den G20-Sonderbetrieb zurückzuführen."

Sollte die Verspätungsregelung aufgehoben werden, müssten alle Linienflüge nach 23 Uhr zu anderen Flughäfen umgeleitet werden - "auch wenn sie alleinreisende Kinder, Familien oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität an Bord haben", so Bromm.

Erschienen: Wochenblatt Langenhorn, Ausgabe 13 2018

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